Buchtrailer - "Halt mich"

Ich habe das Fenster weit geöffnet, während ich diese Worte tippe. Von draußen weht heiße, süße Sommerluft hinein, begleitet von entferntem Stimmengewirr und Kinderlachen aus dem Schwimmbad nebenan. Es ist ein milder Augenblick, fast beiläufig und flüchtig. Hätte ich ihn nicht aufgeschrieben und so festgehalten, wäre er – wie das Gewitter, auf das ich gehofft hatte – einfach vorbeigezogen.

Das ist das Schöne am Schreiben: Es fixiert Eindrücke. Eindrücke von Situationen, von Emotionen und von der ganz subjektiven Vergänglichkeit der Zeit. Um so schöner, wenn aus geschriebenem auch Bücher wachsen.

Bücher zu machen ist mein Beruf und ich habe schon in vielen verschiedenen Konstellationen an ihnen gearbeitet. Ich habe sie im Verlagsshop verpackt und verschickt, ich habe sie gebunden und gesetzt, ich habe – sehr schlecht – Korrekturen eingepflegt, habe sie gestaltet, beworben und Buchmessestände aufgebaut und begleitet. Aber jetzt erst schreibe ich sie auch. Ich glaube, bis auf das Lektorat habe ich schon so gut wie jeden Job gemacht, der im Zusammenhang mit Büchern steht. Ein paar der Bücher gewannen Preise, ein paar wurden kaum gelesen.

Bücher machen ist ein Job – und es ist mein Job. Auch die großen Bestseller waren irgendwann mal irgendjemands Arbeit. Ich glaube nicht so recht, dass man sich vornehmen kann, dass ein Buch erfolgreich wird; das merkt man beim Machen nicht einmal.

Dieses Buch, das ich nun fertig habe, begann ebenfalls als Job. Und auch wenn ich ihm wünsche, dass es viele Menschen glücklich macht, kann ich das nicht einfach herbeischreiben und -zeichnen. Aber ich kann zumindest ein, zwei sicher schöne Momente im Buch anstreben. Das habe ich getan und ich glaube, es ist mir auch hier und da gelungen.

Zu Beginn war da eine vage Idee, ein Gefühl: die Anwesenheit des Abwesenden. Zu spüren, dass etwas nicht mehr da ist oder man es nicht halten kann – ein Verlust, ein Abschied. Eine Sehnsucht, die sich nicht stillen lässt. Diese Gefühlsfragmente geisterten mir durch den Kopf, als ich an der Küste von Fécamp stand und auf den weiten Horizont des Meeres vor mir blickte. Es war kurz nach der ersten Hitzewelle dieses Sommers und kurz vor dem Start der Waldbrände. Die Schönheit der Landschaft rührte mich – und das Wissen um ihre Vergänglichkeit schmerzte. Diese emotionale Gleichzeitigkeit fand ihren Weg in eine Geschichte. In meine Geschichte. Es ist nicht einfach, über solche Gefühle zu schreiben, die keine genauen Namen haben wie Liebe oder Heimweh. Es ist komplex, aber auch Kinder spüren es, und gerade ihnen wollte ich Worte dafür mitgeben.


Das Buch hatte ich schon im Winter angefangen, es entstand also genau genommen nicht dieses Jahr an der Küste. Es entstand aber letztes Jahr an der selben Küste. Denn genau da beschloss ich, die Schönheit der Landschaft aufzunehmen und irgendwo für immer einzulagern und zu konservieren. Und nun habe ich es umgesetzt, in einem Buch. Es ist kein allumfassendes Meisterwerk aber es sind doch Momente entstanden, in denen Bild und Text gemeinsam klingen und man meint, eine Melodie zu vernehmen – vielleicht sogar eine wohlklingende.

„Halt mich“ erscheint im Oktober. Streng genommen gehört es zur Buchreihe von Pinguin und Hase – zumindest reiht es sich dort ein und die beiden spielen wieder die Hauptrollen. Für mich persönlich fühlt es sich aber wie ein ganz anderes Buch an. Ich würde es so beschreiben:

Vielleicht haben wir Pinguin und Hase früher schon einmal gesehen, aber so richtig lernen wir die beiden erst jetzt kennen.

Ich bin sehr glücklich, euch den Buchtrailer zeigen zu dürfen. Meine Kinder haben mir bei den Aufnahmen geholfen und sprechen auch zusammen mit mir den Ton ein, wie ihr sicher gehört habt. Das war für uns alle wahnsinnig aufregend. Ich habe noch nie einen Buchtrailer gemacht, aber ich wollte so gerne das Gefühl vermitteln, das dem Buch zugrunde liegt, gerade weil viele es ja erst einmal nur anschauen und noch gar nicht gelesen haben. Jedenfalls waren wir alle ganz stolz auf diesen kleinen Einblick.

Es ist generell so schön, die Kinder beim Entstehen der Bücher so nah dabei zu haben und ihre Ideen und Anregungen mitaufnehmen zu können. Das erinnert mich an meine eigene Kindheit im Farben- und Wollladen meiner Familie. Alle in meiner Familie sind selbstständig und haben eigentlich rund um die Uhr gearbeitet. Das soll man gar nicht idealisieren – es ist hart, so viel arbeiten zu müssen. Aber für mich als Kind war es toll, so viele verschiedene Berufe mitzubekommen und Teil der Erwachsenenwelt zu sein. Ihre Arbeit war nicht jenseits meiner Welt, nicht getrennt von meinem Alltag, sondern sie war unser Alltag. Ich war ein Teil davon, und genau so ist es heute auch mit meinen Kindern. Manchmal sitzen sie neben mir und zeichnen an ihren eigenen Projekten. Beide schreiben aber auch sehr gerne – mein Sohn sammelt Füller und meine Tochter möchte sich in jedem Buch gerne selbst wiederfinden. Schaut gerne mal, ob ihr sie entdeckt.